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Die Freiwillige Feuerwehr Wellesweiler von 1903 bis 2013

 

Noch anfangs des 19.Jahrhunderts beruhte das Feuerwehrwesen auf gegenseitiger Nachbarschaftshilfe der Bürger. Eine organisierte eigenständige Feuerwehr gab es bei uns nicht. Die ersten Ansätze eines geordneten Feuerwehrwesens zeigten sich zunächst in der Anordnung der königlichen Verwaltungsstellen von 1818, dass jeder sich verheiratende Bürgersohn und jeder Neubürger einen Brandeimer zu stellen hatte. Die Festschrift zum 50jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Neunkirchen aus dem Jahr 1924 erwähnt hierzu eine Untersuchung des damaligen Ottweiler Landrats Schönberger der „Feuerlöschanstalten“ seines Zuständigkeitsbereiches im diesem Jahr. Hierzu musste bei einer „Brandschau“ in den Gemeinden jeder verheiratete Einwohner mit seinem Brandeimer erscheinen. 1825 wurde auch durch die Preußische Reichsregierung für kleinere Gemeinden die Beschaffung einer Brandleiter, eines Feuerhakens und 10 Brandeimern sowie für Gemeinden ab 80 Einwohnern die Beschaffung von 2 Leitern, 2 Brandhaken und 30 Löscheimern vorgeschrieben. Dies betraf auch Wellesweiler als Gemeinde im Landkreis Ottweiler des Regierungsbezirks Trier welcher wiederum Teil der Rheinprovinz des preußischen Königreichs war.

Ebenfalls 1825 ging man dazu über, statt der Bereitstellung eines Brandeimers, von jedem Neuvermählten oder Neuzuziehenden die Zahlung von einem Taler und 20 Silbergroschen an die Bürgermeistereikasse zu verlangen. (Dies waren wohl die Anfänge der Brandschutzsteuer).

 

Die Königlich-Preußische Regierung für den Regierungsbezirk Trier erließ am 2. Juni 1837 eine besondere „Feuer-Ordnung“, die 119 Paragraphen enthielt. Neben umfangreichen Regelungen zum vorbeugenden Brandschutz durch Bauvorschriften wurde unter anderem angeordnet, dass alle Ortseinwohner verpflichtet waren „bei ausbrechendem Feuer durch Wassertragen, Pumpen etc., Hilfe zu leisten und des Nachts in der Nachbarschaft der Brandstelle die unteren Fenster ihrer Wohnung zu beleuchten".

§80 empfahl bei jeder Gemeindefeuerspritze ein Brandkorps zu bilden, das aus einer Feuerlöschkompanie zur Handhabung der Feuerlöschgerätschaften und aus einer Wach- bzw. Rettungskompanie zu bestehen hatte. In größeren Gemeinden sollte die Feuerspritze möglichst fahrbar sein und die Gegenstände zu deren Instandhaltung vorgehalten werden. 25 bis 30 Feuereimer, mindestens zwei Feuerleitern und zwei Brandhaken waren bereitzustellen. Auch Brandpfühle und Wasserbehälter sollten angelegt werden.

 

Bekannt ist zum Beispiel die Aufstellung dieser Kompanien 1848 in Neunkirchen. Aus diesem Feuerwehrkorps ging dann dort 1874 die Freiwillige Feuerwehr Neunkirchen hervor.

Auch in Wellesweiler wurden diese Pflicht-Korps gebildet. So finden sich in dem Gemeinderatsbeschlussbuch von 1847 bis 1891 folgende Hinweise auf das Feuerlösch-wesen in Wellesweiler:

 

13.08.1869

Verhandelt zu Wellesweiler den 13/8 69. Der Gemeinderath hat in der heutigen Sitzung die vom Bürgermeistereirath zur Disposition gestellten 200 Taler aus der Bürgermeistereikasse zum Neubau eines Spritzenhaus[es] zu Wellesweiler angenommen.

Archiv der Kreisstadt Neunkirchen, Gemeinderatsprotokolle, Beschluss vom 13. August 1869, Seite 83

 

25.08.1869 „Neubau eines Spritzenhauses mit Arestlokal“

Verhandelt zu Wellesweiler den 25. August 1869 -

Auf vorschriftsmäßige Einladung versammelte sich heute unter dem Vorsitz des hierzu autorisierten Gemeindevorstehers der Gemeinderath zu Wellesweiler um über den hierneben bezeichneten Gegenstand zu berathen und Beschluss zu fassen.

Der Gemeinderath beschloß dahin daß, das neu projectierte Spritzenhaus mit Arestlokal für die Gemeinde Wellesweiler nach dem Kostenanschlag von Herr Bauwerkmeister Raeff vom 21. August annehmbar ist. Und wünscht daß Herr Bürgermeister die baldige Versteigerung für daß selbe in Wellesweiler abhalten wird.“

Archiv der Kreisstadt Neunkirchen, Gemeinderatsprotokolle, Beschluss vom 25. August 1869, Seite 85

 

19.10.1874

Der Gemeinderat bewilligt den in der Eingabe vom 19. Okt. Unterschr. 13 Einwohnern von Wellesweiler für Wachdienst beim Brand bei Thowae in 1874 in Wellesweiler., jedem 3 Mark Entschädigung aus der Gemeinde-Kasse.

 

14.06.1887

Der Gemeinderat genehmigt das vorgelegte Verzeichnis der Mitglieder der obligatorischen Feuerwehr und die Zutheilung der Mannschaften zur Wacht= bzw. Löschungs= und Rettungs= compagnie.

Archiv der Kreisstadt Neunkirchen, Gemeinderatsprotokolle, Beschluss vom 14. August 1887, Seite 263

 

15.10.1890

Das später in das Eigentum der Gemeinde Wellesweiler übergehende Fritz´sche Haus ist als Spritzenhaus einzurichten.

 

Diese Kompanien waren jedoch nicht mit einer freiwilligen Feuerwehr zu vergleichen. Da man nur zu den wenigen Übungen und im Einsatzfalle zusammenkam, war deren Ausbildungsstand nicht sehr hoch. Die Einteilung geschah auch nicht freiwillig sondern war eher mit einer Rekrutierung zu vergleichen. So hatte man zum Beispiel das Recht sich nach drei Jahren Dienstverpflichtung für ein Jahr vom Dienst befreien zu lassen.

 

Bis zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Wellesweiler war die Freiwillige Feuerwehr in Neunkirchen die nächste größere organisierte Feuerwehr die im Brandfalle nach Wellesweiler zur Unterstützung gerufen werden konnte. Man darf nicht vergessen, dass Wellesweiler damals ein Grenzdorf mit Zollstation war. Die Feuerwehr in Bexbach lag ja hinter der Staatsgrenze im Königreich Bayern.

 

Der Grenzverlauf in diesem Bereich entsprach damals schon in etwa der heutigen Banngrenze zwischen Wellesweiler und Bexbach. Heute handelt es sich um eine Grenze zwischen zwei Landkreisen damals war es eine zwischen zwei Königreichen.

Da der Anmarsch der Neunkircher Wehr auch mit dem Pferdefuhrwerk recht lange dauerte - der damalige Standort der Neunkircher Feuerwehr war das Gerätehaus in der Nähe des Oberen Marktes - erhob sich auch in Wellesweiler der Wunsch nach einer eigenen Feuerwehr.

Foto: Die Freiwillige Feuerwehr Neunkirchen 1924, Bezirk 2, Festschrift zum 50 jährigen Stiftungsfest der Freiwilligen Feuerwehr Neunkirchen 1924, Seite 21

 

Daraufhin rief man in der Saar- & Blies-Zeitung vom 23. September 1902 zur Bildung einer Freiwilligen Feuerwehr in Wellesweiler auf:

Für die Gemeinde Wellesweiler wird die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr, wie solche in Neunkirchen, Elversberg und Spiesen bereits besteht, beabsichtigt. Rüstige Leute, welche der Wehr beitreten wollen werden ersucht, sich alsbald bei dem Gemeindevorsteher, Herrn Dorst, zu melden. Neunkirchen, den 20. Sept. 1902

Das Bürgermeister=Amt.

Foto : Aufruf in der Saar und Blies-Zeitung Nr.222. Dienstag, 23.09.1902 S.[4], Stadtarchiv Kreisstadt Neunkirchen, Zeitungssammlung.

 

Die Aufstellung der Wehr schien gute Fortschritte zu machen so konnte man einen Monat später am 28. Oktober in der gleichen Zeitung lesen:

Wellesweiler, 27. Oktober. Bei den [… zahl-] reichen Gefahren, denen Gut und Leben bei [Feuer aus-] gesetzt sind, ist in unserer Bevölkerung der [Wunsch zur] Bildung einer Freiwilligen Feuer[wehr groß] geworden. Da sich bis heute bereits 19 [Mann ge-] meldet haben, steht zu erwarten, daß mit [der Bildung] der Wehr in nächster Zeit begonnen werden [kann, zumal] die nötigsten Gerätschaften schon vorhanden [sind. Weitere] Beitritte zur Wehr dürften immerhin not [wendig sein.

Foto : Aufruf in der Saar und Blies-Zeitung Nr.252. Dienstag, 28.10.1902 S.[2], Stadtarchiv Kreisstadt Neunkirchen, Zeitungssammlung.

Weiter ging es dann am Sonntag den 16. November 1902. Alle die sich bis dahin freiwillig zur Feuerwehr gemeldet hatten, wurden gebeten sich an diesem Termin im Gasthaus Dorst zu treffen. Vermutlich hat man dort darüber beraten wie die neu aufzustellende Feuerwehr auszusehen hatte und eventuell die Satzung vorberaten, die dann auf der nachfolgenden Gründungsversammlung beschlossen werden sollte.

Bekanntmachung. Diejenigen Personen, welche ihren Beitritt zur freiwilligen Feuerwehr Wellesweiler erklärt haben oder noch beitreten wollen, werden ersucht, sich zu der am Sonntag den 16. dss. Mts., nachmittags 4 Uhr, in der Wirtschaft D o r s t stattfindenden Versammlung einzufinden. Anmeldungen werden bis zu oben genanntem Zeitpunkt noch von dem Herrn Gemeindevorsteher D o r st entgegengenommen. Neunkirchen, 8. November 1902. Das Bürgermeister-Amt

 

Foto : Bekanntmachung in der Saar und Blies-Zeitung Nr.262. Montag, 10.11.1902 S.[3], Stadtarchiv Kreisstadt Neunkirchen, Zeitungssammlung.

Gasthaus Dorst 1925a

Gasthaus Dorst in Wellesweiler, Postkarte abgestempelt 1925, Autor

Von den Häusern steht heute keines mehr. Im Vordergrund rechts unten erkennt man einen Stahlträger der alten Bliesbrücke. Heute stünden die Häuser mitten auf der Kreuzung vor der neuen Bliesbrücke.

Im darauffolgenden Jahr wurde am 11. Januar 1903, wieder an einem Sonntag, dann formell die Wellesweiler Wehr im Gasthaus Dorst ins Leben gerufen. Unter dem Vorsitz des Ortsvorstehers Dorst hielt man Vorstandswahlen ab und gab die zukünftige Satzung der neuen Freiwilligen Feuerwehr zu Wellesweiler bekannt. Zum Oberbrandmeister wurde der Gastwirt Jacob Dorst und zu seinem Stellvertreter und Brandmeister der Schreinermeister Karl Rohrbach ernannt. Zeugmeister wurde der Schuhmachermeister Nikolaus Kerber und Steigermeister der Dachdeckermeister Christian Geble. Die gesamte Wehr bestand aus 30 Mann. Untergebracht wurden die Gerätschaften zunächst in Räumen des alten Schulgebäudes in der Eisenbahnstraße.

 

Die Saar- und Blieszeitung schrieb dazu :

Foto : Berichterstattung in der Saar und Blies-Zeitung 43.Jg. Mittwoch 14.01.1903 S.[2], Stadtarchiv Kreisstadt Neunkirchen, Zeitungssammlung.

 

Im Protokoll der folgenden Gemeinderatssitzung vom 16.Januar 1903 hielt man knapp fest:

 

"Die Feuerwehr ist der Feuerwehrunfallkasse anzuschließen.

Die Anschaffung einer Leiter u. zweier Dachleitern wird genehmigt."

Foto : Archiv der Kreisstadt Neunkirchen, Gemeinderatsprotokolle, Beschluss vom 16. Januar 1903, Seite 313

 

Die beschlossene Satzung wurde gedruckt und jedem Mitglied als Broschüre ausgehändigt:

Satzung 1903 - S 9 - SW

Fotos: Titelseite und Auszug aus der Seite 9 der Satzung von 1903 FFW Wellesweiler.

 

Bereits zwei Monate später wird dann vom wahrscheinlich ersten Einsatz der Wellesweiler Feuerwehr in der Saar- und Blies-Zeitung berichtet :

Foto : Berichterstattung in der Saar und Blies-Zeitung Nr.58. Dienstag 10.09.1903 S.[2], Stadtarchiv Kreisstadt Neunkirchen, Zeitungssammlung.

 

In der Sitzung des Gemeinderates vom 15. März wurden durch die Gemeinde vorsorglich 500 Mark zur Ausrüstung der neuen Feuerwehr bereitgestellt. Im Protokoll heißt es :

 

Für die Feuerwehr sind mit Rücksicht auf die größeren Kosten der Neueinrichtung 500 Mk. einzusetzen.

Dem Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 15. Mai des Jahres kann man schließlich sogar die Anfangsausstattung unserer Wehr entnehmen:

Es sind schon beschafft.

 

1. Ein Schlauchwagen . . Preis 200 M

2. Schläuche (100 M) a Meter 2,50 M. 250 “

3. Verkupplungen 10 St. a St. 7,50 M. 75

4. Zwei Hydrantenaufsätze “ 150

5. Sonstige kleine Geräthe “ 25

 

Es sind noch zu beschaffen

 

6. Zwei neue Leitern “ 60

7. Zwei kleine Dachleitern “ 18

8. Eine Laterne (beweglich) “ 15

9. Ein Wagen zum Transport

der Leitern. 96

10: Zwei ? & 2 Gabeln 10

11. Eine rothe Schnur 1 rothe Laterne

zu den Hydranten bei Nachtbränden “ 25

12. Ein Verbandskasten mit Zubehör 50

13. Für verschiedene sonstige Geräthe 21

Ca. 1000 .

Foto : Archiv der Kreisstadt Neunkirchen, Gemeinderatsprotokolle, Beschluss vom 14. April 1903, Seite 326

 

Zur Finanzierung der Summe von 1.000 Mark (das wären heute ca. 4500€), wurde im Protokollbuch im Anschluss an die Auflistungen der Bürgermeister gebeten, sich bei den ansässigen Feuerversicherungen um eine Erstattung dieser Kosten zu bemühen:

 

"Herr Bürgermeister Ludwig wird gebeten, bei den hier im Orte in Betracht kommenden Feuerversicherungen eine, dieser Kostensumme entsprechende Beihülfe gütigst bewirken zu wollen indem es sich doch hauptsächlich bei vorkommenden Bränden nur um die Interessen der Versicherungen, und weniger um die Interessen der Gemeinde handelt."

Fünf Jahre später, im Jahr 1908, wurde für das Material und die Karren der Feuerwehr ein neues Gerätehaus neben dem Bahnhof hinter der Gaststätte Rohrbach (Damals Gasthof Germania) errichtet. Die selbstgefertigten Karren waren bis dahin beim Leichenwagen in der Friedhofshalle an der Ecke Homburger / Hirtenstraße stationiert gewesen.

Foto : Altes Gerätehaus, 2013, Autor

Der Oberpräsident der Rheinprovinz hatte in einem Erlass vom November 1906 genaue Vorgaben gemacht wie sich die Freiwilligen Feuerwehren in Zukunft zu organisieren hatten. Vom Feuerwehrverband der Rheinprovinz wurde daraufhin im Jahre 1907 eine völlig neue Mustersatzung für die Wehren aufgestellt, die nach einigen Änderungen durch den Oberpräsidenten am 25. Dezember 1907 genehmigt wurde. Entsprechend musste auch die Satzung der Freiwilligen Feuerwehr Wellesweiler an diese neuen gesetzlichen Bestimmungen angepasst werden. 1909 wurde daher die neue und erweiterte Satzung beschlossen und durch die staatlichen Behörden genehmigt.

Foto: Auszug aus der Satzung von 1909; Seite 17, FFW Wellesweiler.

Als Konsequenz des verlorenen ersten Weltkrieges von 1914 bis 1918 wurde dann 1920, mit Inkrafttreten des Versailler Vertrages, das Saargebiet dem Völkerbund für 15 Jahre bis 1935 als Mandatsgebiet unterstellt. Wirtschaftlich wurde man an das französische Zoll- und Währungsgebiet angegliedert. Alleiniges Zahlungsmittel war der französische Franc.

Flagge des Saargebiets 1920 bis 1935

 

Die nächste verwaltungstechnische Veränderung für Wellesweiler erfolgte im Jahre 1921. Neunkirchen, das ehemals größte Dorf Preußens, wurde durch Zusammenschluss mit den Gemeinden Niederneunkirchen, Wellesweiler und Kohlhof zur zweitgrößten Stadt des damaligen Saargebietes. Mit diesem Verwaltungsakt wurde die bisher eigenständige Freiwillige Feuerwehr Wellesweiler zu einem Löschzug der Gesamtwehr von Neunkirchen und dieser damit organisatorisch unterstellt.

 

1933 ereignete sich eine Katastrophe in Neunkirchen, die unserer Stadt für einige Zeit die Aufmerksamkeit der Presse aus der ganzen Welt bescherte. Bei Wartungsarbeiten am 10. Februar brach um 18 Uhr ein Brand an einer Anschlussleitung des 72m hohen Gasometers des Neunkircher Eisenwerks aus. Die nahezu 50m hohe Flamme brachte nach etwa 5 Minuten den zu diesem Zeitpunkt mit ca. 15.000m³ Gas gefüllten Behälter zur Explosion. Die noch in 200km Entfernung zu hörende Detonation zerstörte umliegende Wohngebäude und Fabrikanlagen. 68 Menschen fanden bei diesem Unglück den Tod, weitere 190 wurden verletzt und ca. 700 Menschen wurden obdachlos.

Gasometerexplosion 10

Explosionszentrum an der Saarbrücker Straße 1933 - Foto: „Bilder von der Gasometerexplosion…“ Verlag Gebr. Hofer Saarbrücken, 1933 Stadtarchiv, Kreisstadt Neunkirchen.

Es sind keine Dokumente aus dieser Zeit bei unserer Wehr erhalten, aber man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass auch die Wellesweiler Feuerwehr bei den nachfolgenden Lösch- und Rettungsarbeiten mitgeholfen hat. Immerhin ist bekannt, dass aus dem ganzen Saargebiet Rettungsmannschaften im Einsatz waren - insgesamt über 600 Mann. Diese waren, zum Teil nur durch den Explosionsknall und die weithin sichtbare Rauchsäule alarmiert, nach Neunkirchen gekommen.

 

Am Ende der 15 jährigen Mandatszeit im Januar 1935 konnten sich die Saarländer in einer Volksabstimmung entscheiden ob sie wieder in das Deutsche Reich zurückkehren, den jetzigen Status („Status Quo“) beibehalten oder sich Frankreich anschließen wollten. Mit 90,8% der Stimmen kehrten die Saarländer im März 35 „Heim in´s Reich“.

„Die Saar kehrt Heim“ - Sonderbriefmarken der Reichspost anlässlich der Rückgliederung 1935, Autor

 

Von der neuen Regierung wurde nach dem Anschluss erstmals die Bezeichnung Saarland eingeführt. Mit dem Zusammenschluss galten nun auch die Gesetze des Deutschen Reichs, was sofort Auswirkungen auf die Feuerwehren hatte. Alle Wehren wurden der Orts-polizeibehörde unterstellt. Damit erhielten die Feuer-wehrleute im Einsatz zum einen zwar Exekutivrechte wie die Polizeitruppe zum anderen unterstand man nun der staatlichen Aufsicht. Neue Uniformen, Abzeichen und Dienstgrade wurden ein-geführt, die denen der Polizei sehr ähnlich waren. Die neuen Dienstgrade haben sich zum Teil bis heute erhalten: Wehrführer, Gruppenführer, Truppführer…

Foto: Parteimarsch über die alte Bliesbrücke, 1942, Im Hintergrund erkennt man das Türmchen der Stengelkirche Die Hakenkreuze auf den Fahnen wurden wohl nach dem Krieg auf dem Foto übermalt. Autor.

Auch der "Deutsche Gruß" wurde bei den Feuerwehren Pflicht.

Foto: Übung der Wellesweiler Feuerwehr 1943. Man trägt bereits die neuen Uniformen. Zum Teil werden aber noch alte Ausrüstungsstücke (Helme) aufgetragen. Autor.

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Das nationalsozialistische Führerprinzip machte auch vor den Feuerwehren nicht halt. Die Führungskräfte wurden von nun an von staatlichen Stellen bestimmt. Demokratische Vorstandswahlen waren damit abgeschafft und der Vereinscharakter der Wehren fiel den Gleichschaltungsbestrebungen im NS-Staat zum Opfer.

Auch mussten überall jüdische Kameraden die Feuerwehren verlassen, hatten sie sich auch noch so verdient gemacht. Der Klempnermeister und stellvertretende Wehrführer Max Meyer - immerhin ein Gründungsmitglied von 1902 und Marine-Veteran des 1. Weltkrieges - musste so am 26.6.1935 seinen Austritt aus der Wehr erklären. Er selbst konnte Deutschland noch rechtzeitig mit seiner Frau Babette verlassen, verlor dabei aber sein Haus. Leider verstarb er im April 1949 in Diedenhofen in Lothringen als er wieder ins Saarland und nach Wellesweiler zurückkehren wollte.

Auszug aus der Feuerwehrstammrolle aus dem Jahr 1935 (Foto: FFW WW).

 

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Da im Kriegsfalle die Feuerwehren ein wesentlicher Bestandteil des Luftschutzes sein würden, mussten die Möglichkeiten zur überörtlichen Zusammenarbeit geschaffen werden. Diesen Bestrebungen standen aber die unterschiedlichen Geräte, Schlauch- und Kupplungssysteme im Wege, die von jeder Wehr eigenständig beschafft worden waren. Um diesem Umstand zu begegnen, wurde eine dem Reichsluftfahrtministerium angegliederte Normenstelle für die Feuerwehren geschaffen. Dadurch wurden 1938 zum Beispiel die noch heute benutzten Storz-Kupplungen reichseinheitlich standardisiert und waren bis 1943 bei allen Wehren einzuführen.

Foto: Schulung von Wellesweiler Wehrangehörigen an dem neuen Kupplungssystem. Namentlich bekannt sind noch von links Friedrich Rohrbach, Karl Heinz Rohrbach und Ferdinand Buhles. Autor.

Im November 1938 trat das „Gesetz über das Feuerlöschwesen“ im gesamten Reich in Kraft. Danach wurden die Feuerwehren zur technischen Polizeitruppe und unterstanden somit dem Oberbefehl des Reichsführers SS, Heinrich Himmler, der Chef der deutschen Polizei war. Die Freiwilligen Feuerwehren wurden zur Hilfstruppe der Ordnungspolizei. Die Feuerwehrfahrzeuge waren von nun an in Polizeigrün zu beschaffen. Mit dem gleichen Gesetz löste man auch alle von den Wehren gegründeten Vereine und Verbände auf.

Gesetz über das Feuerlöschwesen

Vom 23. November 1938.

Die wachsende Bedeutung des Feuerlöschwesens vor allem für den Luftschutz erfordert, das schon seine friedensmäßige Organisaton hierauf abgestellt wird. Hierzu ist nötig die Schaffung einer straff organisierten, vom Führerprinzip geleiteten, reichseinheitlich gestalteten, von geschulten Kräften geführten Polizeitruppe (Hilfspolizeitruppe) unter staatlicher Aufsicht.

Einleitung zum Gesetzes-text, Reichsgesetzblatt, Jahrgang 1938 Teil I, Seite 1662.

 

Wohin die Reise mit der neuen Regierung ging, konnte man bereits an einem Übungsplan für die Wellesweiler Wehr aus dem Jahr 1936 sehen:

(Foto: FFW Wellesweiler).

1939 erließen die Behörden dann die Polizeidienstverordnung PDV 23 „Ausbildungsvorschrift für den Feuerwehrdienst“. Durch diese wurde die Brandbekämpfungstaktik mit Angriffs-, Wasser- und Schlauchtrupp zum Standard im ganzen Reich. Auch die Gliederung der Wehr in die Gruppe (Bestehend aus dem Gruppenführer, dem Maschinisten, dem Angriffs-, Wasser- und Schlauchtrupp sowie dem Melder), in den Zug (Bestehend aus zwei Gruppen) und in die Bereitschaft (Gebildet aus drei Zügen) wurde erstmals eingeführt.

Diese Ausbildungsvorschrift war der Vorläufer der heutigen Feuerwehrdienst-vorschriften.

Im folgenden 2. Weltkrieg von 1939 bis 1945 verlor die Wellesweiler Feuerwehr die zum Kriegsdienst eingezogenen Kameraden Fritz Tretter, Friedrich Rohrbach und Werner Breme.

 

Um die durch den Krieg gelichteten Reihen der Wehren aufzufüllen, wurden überall in Deutschland Hitlerjungen in den Luftschutzdienst und in die Feuerwehren übernommen. So wurden auch 1944 Oskar Fuchs, Richard Eberhard und Waldemar Zadrosny alle damals im Alter von 15 und 16 Jahren in den Feuerwehrdienst in Wellesweiler übernommen.

 

Name Geb. Eintritt Beruf

Foto: Auszug aus der Feuerwehrstammrolle begonnen 1937; FFW WW.

 

Auch bei den Bombenangriffen auf Wellesweiler und Neunkirchen dürfte die Wehr im Einsatz gewesen sein. Wellesweiler erhielt 1945 Bombentreffer im Bereich der Ziegelei, die fast völlig zerstört wurde, aber auch Häuser in der Fabrik- und Rettenstraße wurden getroffen. Vor dem Einmarsch der Amerikaner am 21. März 45 wurde Wellesweiler nochmals bombardiert, wodurch Schäden im Ostteil des Ortes angerichtet wurden.

Nach Kriegsende folgte die Besatzungszeit zunächst durch die amerikanische Armee, die aber bereits ab Juli 45 von französischen Truppen abgelöst wurde. Nach den Wahlen 1947 erhielt das Saarland eine eigene Regierung unter Johannes Hoffman („JoHo“). Das Saarland wurde ein eigenständiges Staatsgebiet mit eigener Verfassung (1947), Staatsangehörigkeit, Währung, Olympiamannschaft (Helsinki 1952), Briefmarken, etc. unter französischem Protektorat.

Briefmarken

 

FFW WW 1952

In dieser Zeit des Neuaufbaus erhielt auch die Wellesweiler Wehr 1949 erstmals ein eigenes Fahrzeug. Ein sechsitziger 6-Zylinder Adler Standard zum Transport der Mannschaft und der bereits 1937 beschafften Motorspritze mit 800l/min Förderleistung. Daneben waren aber immer noch die in den Gründungsjahren vom Wagnermeister Schiestel und Schmiedemeister Hösler selbstgefertigten Karren zum Transport von Leitern, Hydranten, Schläuchen und sonstigem Material in Gebrauch. Noch in der Festschrift zum 50jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Wellesweiler von 1952 werden diese Karren erwähnt und waren, wie man in der Schrift betont, noch immer „in gut erhaltenem Zustand im Besitz der Wehr“. Das untenstehende Foto, 1952 anlässlich des 50 Jährigen Bestehens aufgenommen, zeigt die damaligen Wehrangehörigen, den Adler und die erwähnten Transportkarren, die nach wie vor von Hand oder mittels vorgespannter Pferde zur Einsatzstelle gezogen wurden.

Foto: FFW WW.

Foto: Gruppenbild des Löschzuges 1952 anlässlich des 50 jährigen Bestehens; FFW Wellesweiler.

Der Adler PKW trug ein Saarland-Kennzeichen nach französischem Vorbild 4693 - OE 3. (OE steht für das Saarland - die nachfolgende 3 verrät, dass das Fahrzeug im Kreis Merzig zugelassen worden war). Er war ein Model aus den 40er Jahren, das den Krieg überlebt hatte. Das Fahrzeug war schon 1949 Thema einer regen Diskussion auf der damaligen Jahreshauptversammlung. Man gründete dort sogar eine Kommission, die klären sollte, wie das Fahrzeug überhaupt nach Wellesweiler gekommen war. Grundsätzlich hielt man fest, dass das Fahrzeug nur eine Belastung für den Löschzug sei. Das Fahrzeug scheint tatsächlich damals in keinem guten Zustand mehr gewesen zu sein. So erreichte man 1950 eine Brandstätte im Ort erst nach der Neunkircher Feuerwehr, weil das Fahrzeug nicht in Betrieb zu nehmen war. (Ein höchst peinlicher Vorfall für eine Wehr)

 

LF 8

1953 erhielt man endlich als Ersatz ein LF 8 / TS der Marke Citroën 9CV. Dieses Fahrzeug blieb bis 1966 in Wellesweiler im Einsatz. Fahrzeuge dieses Typs wurden damals für viele Wehren im Saarland beschafft. Auch die die Werksfeuerwehr des Neunkircher Eisenwerks besaß einen solchen Citroën, der bis heute in einem Museum in Österreich überlebt hat.

v.l. Richard Eberhard, Horst Elbert, Karl-Heinz Schramm, Emil Eisel, Dieter Harlos, Wolfgang Weiland, Herrmann Geid, Gerd Volz - Foto: FFW-Wellesweiler.

 

1955 entschieden sich die Saarländer erneut in einer Volksbefragung für die Rückkehr nach Deutschland. Dieses Mal für die 1949 gegründete Bundesrepublik Deutschland deren elftes Bundesland man 1957 wurde. Der wirtschaftliche Anschluss mit Einführung der D-Mark erfolgte erst 1959. Das hatte zum Beispiel zur Folge, dass man im Saarland zwar die gleichen Briefmarken wie im Bundesgebiet verwendete, die Wertangabe erfolgte aber in Saarfranken.

 

 

Das alte Gerätehaus am Bahnhof kam nun auch langsam in die Jahre und wies baulich immer mehr Mängel auf. Dieser Umstand war Anlass für etliche Eingaben und Beschwerden der Wehr an die Verwaltung, doch endlich Abhilfe zu schaffen. 1966 wurde man erhört und konnte in das alte Schulgebäude in der Schulstraße (Heute Ernst-Blum-Straße) umziehen. Dort war auch Platz für die beiden neuen Fahrzeuge: Ein LF 15 Mercedes und einen Mercedes Unimog vom Bundesluftschutz.

 

Am 1. Januar 1974 trat das „Gesetz über die Neugliederung der Kreise und Gemeinden“ im Saarland in Kraft. Die Mittelstadt Neunkirchen wurde zur Kreisstadt des neuen Landkreises Neunkirchen. Zur Stadt Neunkirchen kamen die Gemeinden Wiebelskirchen, Hangard, Münchwies und Ludwigstal hinzu. Auch die Freiwillige Feuerwehr Neunkirchen mit ihrer bisherigen Hauptwehr Innenstadt und den Löschzügen Wellesweiler, Sinnerthal und Haus Furpach vergrößerte sich um die Feuerwehren aus Wiebelskirchen, Hangard, Münchwies und Ludwigsthal. Dies hatte eine Verdopplung der Personalstärke von 155 auf 311 Mann zur Folge. Da die Sollstärke für eine Gemeinde wie Neunkirchen aber nur 235 Mann betrug, war man mit einem Schlag dramatisch überbesetzt. Um dem Rechnung zu tragen, wurden die neuen Wehren als eigenständige Löschbezirke im Umfang der bisherigen Feuerwehren in die Gesamtwehr übernommen. Hauptbrandmeister Horst Breitbeck wurde vom Oberbürgermeister Paul Kolb zum 1. Wehrführer der Gesamtwehr Neunkirchen ernannt.

Die Ehre der Aufwertung vom Löschzug zum eigenständigen Löschbezirk wurde 1987 schließlich auch der Wellesweiler Wehr passend zum 85 jährigen Jubiläum zuteil.

1. Löschbezirksführer in Wellesweiler wurde der bisherige stellvertretende Löschzugführer Werner Fuchs. In dieser Konstellation, als Löschbezirk Wellesweiler der Freiwilligen Feuerwehr Neunkirchen, besteht unsere Wehr nun bis zum heutigen Tag.

 

Zuvor, im Jahr 1979, hatte für die Wehr wieder einmal ein Umzug angestanden. Neben der Grundschule Wellesweiler war das heutige Gerätehaus errichtet worden. Notwendig geworden war dies, da man etliche Gebäude in der Dorfmitte, darunter auch das alte Schulhaus, abgerissen hatte, um Platz für die neue Straßenführung entlang der Blies zu schaffen.

Foto: Richtfest des neuen Gerätehauses November 1978 - Stadtarchiv, Kreisstadt Neunkirchen, Fotosammlung.

 

Dies war aber nur die erste „Ausbaustufe“ des neuen Gerätehauses. Die Aufnahme von Frauen in die Wehr, die Gründung einer Jugendfeuerwehr 1988 und der Zugang des Rüstwagens 1996 machten noch zusätzliche Erweiterungen notwendig. Auf der Seite der Grundschule wurde eine neue Garage angebaut. Danach wurde für einen Schulungsraum mit Küche und Büro aufgestockt. Schließlich wurde 2012/13 noch eine weitere Garage angebaut, die Umkleiden erneuert und der Eingangsbereich erweitert. Angesichts der Lage unmittelbar neben einem Kinderhort und zweier Schulen wäre es den Feuerwehrleuten lieber gewesen, man hätte anstelle der letzten Erweiterung besser in ein neues Gerätehaus an einem unproblematischeren Standort investiert. Groß ist dahingegen die Freude über den Zugang des neuen HLF 20 welches im Jahr 2013 das immerhin 22 Jahre alte TLF 16/25 und den 17 Jahre alten RW 1 ablösen wird. Damit kann die Wellesweiler Wehr auch in den kommenden Jahrzehnten gut gerüstet ihren ehrenamtlichen Dienst für die Bürger von Wellesweiler und Neunkirchen verrichten.

 

Quellen:

Festschriften zum 50 und 100 Jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehren Wellesweiler und Neunkirchen

Stadtarchiv der Kreisstadt Neunkirchen

Gesammelte Unterlagen von Stefan Thissen zum 100 jährigen Jubiläum

Manuskript von Claus-Dieter Werny

„Heimatbuch von Wellesweiler“ von Gustav Remy, 1950

„Vor 75 Jahren wurden die Feuerwehren gleichgeschaltet“ von Matthias Blazek

Archiv der Freiwilligen Feuerwehr Wellesweiler

Fotos aus dem Privatbesitz des Autors

 

Besonders bedanken möchten wir uns an dieser Stelle bei Frau Neis und Frau Carl vom Stadtarchiv der Kreisstadt Neunkirchen für ihre freundliche Unterstützung bei unseren Recherchen.
Für Auskünfte zu den Wehrmitgliedern von 1935 bedanken wir uns bei Hans-Günther Sachs vom Wellesweiler Arbeitskreis für Geschichte, Landeskunde und Volkskultur e.V.

Besonderer Dank für die Restauration der beiden Bilder auf den Seiten 47 und 49 gilt Claudia Wack vom Fotostudio „Studios and more“ (Vogelstraße 2 in 66539 Neunkirchen)